Es gibt keine Ausrede, nichts zu tun

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Heute ist Welttag des Buches. Ich lade euch ein, eine Stelle aus den Erinnerungen von Will Schwalbe „An diesem Tag lasen wir nicht weiter“ (2012) zu lesen:

Suite Francais [von Irene Nemirovsky] ist das Buch eines Flüchtlings über Flüchtlinge und den Alltag unter einer Besatzungsmacht. […]
„Ich fühle mich einfach schuldig, weil ich nicht mehr tue“, sagte ich. „Ich meine, es ist so leicht, Suite Francaise zu lesen und zu denken: ‚Warum haben die Leute in Amerika nicht mehr gewusst und getan?‘ Aber ich lebe jetzt, und es passieren all diese Dinge – Kindersoldaten und Genozid und Menschenhandel -, und ich tue kaum etwas dagegen.“

Mom drehte ihr Kinn nach links und kräuselte die Lippen […] „Natürlich könntest Du mehr tun – du kannst immer mehr tun, und das solltest du auch -, aber wichtig ist, zu tun, was dir möglich ist, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Du gibst ja Dein Bestes, und mehr kann man nicht verlangen. Zu viele Leute nutzen es als Ausrede, dass sie meinen, nicht genug tun zu können, um dann gar nichts machen zu müssen. Dabei gibt es überhaupt keine veritable Ausrede, um nichts zu tun – selbst wenn man nur eine Petition unterzeichnet oder eine kleine Spende leistet oder eine erst kürzlich ins Land gekommene Flüchtlingsfamilie zum Thanksgiving einlädt.“

„Und was ist mit teuren Restaurantbesuchen und solchen Sachen?“, fragte ich […].

„Es ist schon in Ordnung, sich selbst auch mal etwas zu gönnen, sofern man es sich leisten kann, aber niemand braucht so etwas tagtäglich. Es sollte etwas Besonderes bleiben. Wenn du zu den glücklichen Menschen gehörst, die sich solche Fragen stellen, dann bedeutet es, dass du die besondere Verantwortung trägst, dafür zu sorgen, dass du auch etwas tust.“ […]

„Viele meiner Freunde sagen, sie würden gern etwa tun, aber sie wüssten nicht, wo anfangen. Was antwortet man solchen Menschen?“

„Nun“, sagte Mom, „die Leute sollen ihre Talente nutzen. Wer in der PR-Branche tätig ist, könnte einer Wohltätigkeitsorganisation in diesem Bereich helfen. Und natürlich brauchen Hilfsorganisationen immer Spendensammler. Da kann jeder helfen. Zu mir kommen immer wieder Leute mit einer Berufsausbildung – Banker, Anwälte -, und die hätten am liebste sofort einen bezahlte Job in der Flüchtlingshikfe. Denen sage ich: ‚Würdet ihr denn jemand einstellen, der keine andere Qualifikation mitbringt, sondern nur im Bereich Flüchtlingshilfe gearbeitet hat, um als Banker in eurer Bank zu arbeiten oder einen Fall vor Gericht zu vertreten? Das ist ein richtiger Beruf.‘ Also rate ich solchen Menschen, erst einmal ehrenamtlich tätig zu werden oder Geld zu spenden und dann zu entscheiden, ob sie eine entsprechende Ausbildung machen wollen. Aber wenn jemand wirklich helfen will, dann ist Geld die schnellste Möglichkeit, auch wenn man sich nur eine kleine Spende leisten kann.“

Dann fügte Mom noch lächelnd hinzu: „Und es gibt etwas, das man Leuten, die mehr über die Welt erfahren wollen und nicht wissen, wie sie ein unterstützenswertes Projekt finden sollen, sagen kann. Man kann ihnen immer raten zu lesen.“

 

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